Island in 10 Tagen


Einleitung

Island ist eine Insel vulkanischen Ursprungs. Sie verdankt ihre Entstehung dem hier besonders intensiv ausgeprägten Vulkanismus. Ursächlich hierfür ist einerseits die Plattentektonik, genauer, die Ozeanbodenspreizung durch das Auseinander-driften der Nordamerikanischen Platte und der Eurasischen Platte in Folge der Öffnung des Nordatlantiks ab dem späten Mesozoikum. Die Spreizungsrate beider tektonischen Platten beträgt um einen bis zwei Zentimeter im Jahr. Infolgedessen kommt es zur Förderung magmatischer Schmelzen, und der damit einhergehenden stetigen Neubildung ozeanischer Kruste im Bereich der Spreizungszone. Der Mittelatlantische Rücken resultiert aus der kontinuierlichen Magmenförderung an dieser Nahtstelle. Die höchsten Erhebungen im Verlauf des Mittelatlantischen Rückens treten als Inseln in Erscheinung. Dazu gehört, neben beispielsweise Jan Meyen und den Azoren, auch Island. Island ist eine der wenigen, wenn nicht der einzige Ort auf der Welt, wo das mit einer solchen divergierenden Plattengrenze assoziierte Grabenbruch- beziehungsweise Riftsystem an die Oberfläche tritt. Ausgehend von der Reykjanes-Halbinsel im Südwesten – hier sowie im Þingvellir-Nationalpark zeigen sich die Grenzen beider tektonischer Platten besonders eindrücklich – verläuft das Grabenbruchsystem grob nach Nordost. Somit teilt sich die isländische Landmasse auf beide tektonischen Platten auf.

Im sogenannten „Plume-Modell“ wird darüberhinaus diskutiert, dass die hohe vulkanische Aktivität – Island gehört mit circa 30 Vulkansystemen zu den aktivsten Vulkanregionen der Erde – neben der Ozeanbodenspreizung auch einem sogenannten Manteldiapir zuzuschreiben ist. Manteldiapire („Plumes“) stellen in die Mantelkonvektion integrierte, quasi-stationäre, pilzartige, im unteren Teil bis zu wenige hundert Kilometer durchmessende Aufstiegsstrukturen für Schmelzen aus dem Erdmantel in die Lithosphäre dar. Da sie nicht zwingend an konstruktive (divergierende) oder destruktive (konvergierende) Plattengrenzen gebunden sind, bilden Plumes typischerweise vulkanische Hotspots fernab jeglicher Plattengrenzen, den sogenannten Intra-plattenvulkanismus. Die hawaiianischen Inseln als jüngste Glieder der sogenannten Hawaii-Emperor-Kette, resultierend aus der stetigen Drift der Pazifischen Platte über den sublithosphärischen Hotspot hinweg, stellen hierfür ein bekanntes Beispiel dar. Es wird vermutet, dass sich das Zentrum des isländischen Plumes heute unterhalb des Vatnajökull-Eisschildes befindet. Die im Zusammenhang mit dem Plume geförderten großen Mengen an Schmelze sind vermutlich auch der Grund, dass Island trotz seiner Lage auf dem Mittelatlantischen Rücken nicht zerreist. Stattdessen wächst die Insel in ost-westliche Richtung um etwa zwei Zentimeter pro Jahr. Mit einem maximalen Alter um die 20 Millionen Jahre ist Island geologisch betrachtet ein recht junges Gebilde. Die ältesten, überwiegend basaltischen Gesteine finden sich im Nordwesten und im Osten der Insel. Im Inselinneren, nahe bzw. innerhalb der aktiven Riftzonen, liegt das mit einem Alter von zum Teil deutlich unter 700.000 Jahren jüngste Grundgebirge, zusammen mit postglazialen Lavadecken. In den vulkanisch aktiven Zonen finden sich heute zahlreiche Geothermalgebiete mit ihren typischen Erscheinungsformen wie heißen Quellen, Fumarolen und Solfataren.

Trotz des allgegenwärtigen Vulkanismus sind es oft exogene Kräfte, welche das heutige Erscheinungsbild Islands prägten. Insbesondere Gletscher formten das Landschaftsbild, war Island im Pleistozän quasi vollständig von Eis bedeckt. Noch heute nehmen Gletscher circa 11% der Landesfläche ein. Mit einer Fläche von knapp 8000 Quadratkilometern ist der Vatnajökull-Eisschild der größte Gletscher Islands, als auch der größte extrapolare Gletscher Europas. Weitere große Eiskappen umfassen den Langjökull mit einer Fläche von circa 900 Quadratkilometern, den Hofsjökull mit 890 Quadratkilometern, und den Mýrdalsjökull mit 560 Quadratkilometern. Kleinere Gletscher finden sich darüberhinaus in den Westfjorden (Drangajökull) und auf der Snæfellsnes-Halbinsel (Snæfellsjökull). Die glaziale Überprägung des ursprünglich flacheren Reliefs schuf steilwandige Einschnitte in Form von Trogtälern und Fjorden. Das glaziale Erbe Islands umfasst weiterhin Gletscherschliffe des Grundgesteins und die glaziofluviatilen Ablagerungen der Moränen und Sander. Mit Breiðamerkursandur, Mýrdalssandur und Skeiðarársandur finden sich drei große Sanderflächen an der Südküste Islands. Dort, wo sich die Gletscher zurückziehen und die durch sie geschaffenen Hohlformen mit Schmelzwasser gefüllt werden, bilden sich Gletscherseen beziehungsweise Gletscher-lagunen. Am Südrand des Vatnajökull beherbergt der Breiðamerkursandur mit Fjallsárlón, Breiðárlón und Jökulsárlón gleich drei solcher Lagunen. Hiervon ist Jökulsárlón mit den auf dem Wasser treibenden Eisbergen – diese stellen Gletscherabbrüche des Breiðamerkurjökull dar – der größte und wohl auch schönste Gletschersee Islands.

Die großen Eiskappen verbergen oftmals Vulkansysteme mit den dazugehörigen Calderen, Spalten, und Kratern. Die vom Vatnajökull bedeckten Bárðarbunga und Grímsvötn gehören zu den aktivsten Vulkansystemen Islands. Der Mýrdalsjökull überdeckt die 100 Quadratkilometer große Caldera der Katla. Die Katla stellt den Zentralvulkan eines 100 Kilometer langen Systems dar und neigte historisch zu vergleichsweise explosiven Eruptionen. Dort, wo vulkanische Eruptionen unter einer Eisbedeckung erfolgen, bilden sich kennzeichnende Gesteinsformationen, die Hyaloklastite. Steilwandige, jedoch verhältnismäßig flache Tafelvulkane (Tuyas) wie auch die charakteristischen Kissenlaven gehören ebenso zum durch subglazialen Vulkanismus geschaffenen Formenschatz. Gespeist durch Niederschlag, Grundwasser, Quellen und Gletscher prägen auch Fließgewässer die isländische Landschaft. Die längsten Flüsse Islands sind Þjórsá und Jökulsá á Fjöllum, mit einer Länge von jeweils etwas mehr als 200 Kilometern. Stufen auf dem Weg zur Mündung werden durch die in Island zahlreich vorzufindenden Wasserfälle überwunden. Schätzungen besagen, das Island mehr als 10.000 Wasserfälle aufweist. Zu den größeren und bekannteren Beispielen zählen Dettifoss, Gullfoss, Goðafoss, Seljalandsfoss, und Skógafoss.






















Die Route, in deren Rahmen die hier gezeigten Bilder entstanden, führt ausgehend vom internationalen Flughafen in Keflavík zunächst ins Haukaladur-Tal. Der Weg dorthin führt uns durch den Þingvellir-Nationalpark. Inmitten der Grabenbruchzone gelegen, wird die tektonische Rift hier besonders gut durch eine Vielzahl an Felsspalten verdeutlicht.


Von Haukaladur durch das Hochland nach Norden

Haukaladur ist ein Hochtemperatur-Thermalgebiet im Norden des Sees Laugarvatn. 1935 wurde das Areal durch Sigurdur Jónass dem isländischen Volk mit dem Ziel geschenkt, es in einen Nationalpark umzuwandeln. Hier treffen wir auf den Großen Geysir – Namenspate aller Geysire – und den Strokkur. Während der Große Geysir nur noch sehr selten ausbricht, zeigt Strokkur eine sehr regelmäßige Aktivität und schießt im Abstand von etwa 10 Minuten eine 20 bis 30 Meter hohe Säule kochenden Wassers in den Himmel.

Von hier geht es weiter der Straße 35 – Kjalvegur – folgend nach Norden, mit Ziel Akureyri. Der heute furtfreie Kjalvegur verbindet, quer durchs Hochland, den Südwesten Islands mit dem Nordwesten. Mit einer Länge von etwa 170 Kilometern ist es die zweitlängste Hochlandstraße der Insel. Der Kjalvegur startet im Süden nahe des Gulfoss-Wasserfalls, einem Wasserfall der Hvítá mit zwei 11 Meter beziehungsweise 21 Meter hohen Stufen. Anschließend werden Langjökull und Hofsjökull gestreift, und die Hvítá nahe des Gletschersees Hvítárvatn überquert.

Hvíta
Kjalvegur auf Höhe der Hvíta-Querung

Den höchsten Punkt des Kjalvegur stellt die Fjórdungsalda-Wasserscheide mit einer Höhe von 673 Metern über dem Meeresspiegel dar, bevor eine Abzweigung ins Geothermalgebiet Hveravellir abgeht. Im nördlichen Abschnitt ab Hveravellir führt der Kjalvegur dann am Blöndulón-Stausee vorbei, bevor er nahe des dortigen Wasserkraftwerks in Nähe der Ringstraße endet. Diese führt uns schließlich nach Akureyri.


Wale im Eyjafjörður

Akureyri ist mit knapp 20.000 Einwohnern die viertgrößte Stadt Islands. Die Ursprünge Akureyris gehen bis ins Jahr 1000 zurück. Heute ist die am südlichen Ende des Eyjafjörðurs und nur 50 Kilometer südlich des Polarkreises gelegene Hafenstadt das größte Bevölkerungs- und Dienstleistungszentrum außerhalb der Hauptstadtregion. Mit ihrer Lage an der Ringstraße, eigenem Flughafen und ihrem Hafen mit Kreuzfahrtterminal ist die Stadt verkehrlich gut erschlossen.

Ausgehend von Akureyri erkunden wir den Eyjafjörður. Dieser ist mit einer Länge von circa 70 Kilometern der längste Fjord Islands. Er liegt zwischen den Halbinseln Tröllaskagi im Westen und Flateyjarskagi im Osten, zu beiden Seiten des Fjords ragen Berge über 1000 Meter auf. Die Hänge fallen insbesondere zum Eingang des Fjords steil zum Wasser hin ab. Schön ist dies beispielsweise im Dorf Grenivík zu beobachten.

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Wasser, Vulkane, Einöde

Weiter geht es von Akureyri, der Ringstraße folgend, über Goðafoss, Mývatn und Hverir nach Djúpivogur im Osten Islands. Am Goðafoss stürzt das Wasser des Flusses Skjálfandafljót auf einer Breite von etwa 160 Meter circa 11 Meter in die Tiefe.

Der Mývatn ist der viertgrößte See Islands. Er ist circa 37 Quadratkilometer groß, aber mit einer durchschnittlichen Tiefe von etwa 2 Metern außerordentlich flach. Mývatn ist Teil des auch heute noch aktiven Krafla-Vulkansystems. Der nach wie vor aktive Námafjall-Vulkan wird hier durch den Námaskarð-Pass überquert. Sowohl östlich wie auch westlich des Passes finden sich Geothermalgebiete. Wir steuern Hverir an, ein östlich unterhalb des Námafjalls gelegenes Hochtemperaturgebiet mit zahlreichen heißen Quellen und Schlammtöpfen.

Vom Námafjall durchqueren wir Richtung Osten die unbewohnte Mývatnsöræfi-Einöde, welche einen Großteil des 4400 Quadratkilomer großen Ódáðahraun-Lavafelds abdeckt, bis wir die Jökulsá á Fjöllum und schließlich Egilsstaðir erreichen. Egilsstaðir ist mit 2500 Einwohner die größte Stadt Ostislands. Der letzte Teil der Strecke führt von hier in südöstliche Richtung, am Lagarfljót vorbei und der Axará folgend über den Öxi-Pass. Die insbesondere im letzten Abschnitt recht steile Abfahrt nach Djúpivogur bietet spektakuläre Blicke auf den zu Füßen liegenden Berufjörður-Fjord und den Folaldafoss.


Schwarze Strände & Eis

Die nächste Etappe führt der Ringstraße folgend nach Kirkjubæjarklaustur und in den Katla-Geopark. Auf unserem Weg halten wir bei Lækjavík und Hvalnes zunächst an zwei für Island typischen, schwarzen Stränden an. Bei Hvalnes ist der mehrere Kilometer lange, schwarze Kiesstrand als schmale Nehrung der Küste vorgelagert.

Anschließend begleitet uns auf unserem Weg rechterhand stets der Vatnajökull und dessen zahlreiche Auslassgletscher, also die vom Eisschild abfließenden Gletscher-zungen. Einer dieser Auslassgletscher ist der Breiðamerkurjökull, dessen etwa 18 Quadratkilometer großer Gletschersee Jökulsárlón ein wahres Etappenhighlight darstellt.

Mit einer Tiefe von 284 Meter ist Jökulsárlón der tiefste See Islands. Bekannt ist er vor allem aufgrund der auf ihm treibenden, vom Breiðamerkurjökull abkalbenden Eisberge, und der zwischen diesen lebenden Robben. Imposant erscheinen die vielfältigen Farben des Eises, vom Blau stark kompaktierten Gletschereises bis zu Schwarz, geschuldet Verunreinigungen und Auflagerungen wie vulkanischer Asche. In unmittelbarer Nähe befindet sich auch der sogenannte Diamantstrand. Hier bilden die Reste von angespültem Treibeis einen starken, namensgebenden Kontrast zum schwarzen Basaltstrand.

Einen weiteren Stopp machen wir anschließend am Kvíárjökull, um einen Blick auf die Gletscherzunge zu erhaschen.

Mit dem Svínafellsjökull besuchen wir folgend eine weitere Gletscherzunge des Vatnajökulls, welche vom Hvannadalshnúkur, Islands höchstem Berg, talwärts fließt.


Im Katla-Geopark

Kirkjubæjarklaustur, ein kleines Dorf mit rund 200 Einwohnern, ist einer der Ausgangspunkte zur Erkundung des Katla-Geoparks. Es liegt am Gletscherfluss Skaftá. Zahlreiche Naturdenkmale und Sehenswürdigkeiten finden sich in der Nähe.


Fall um Fall

Von Kirkjubæjarklaustur geht es weiter über Vík í Mýrdal und Hveragerði nach Reykjavík. In Vík í Mýrdal machen wir zunächst Stopp am Víkurfjara, Vík í Mýrdals schwarzem Sandstrand. Hier haben wir hier einen guten Blick auf die Reynisdrangar, die dem Strand vorgelagerten Basaltsäulen.

Anschließend besuchen wir mit Skógafoss und Sjeljalandsfoss noch zwei unterhalb des Eyjafjallajökulls gelegene Wasserfälle. Beide stürzen über circa 60 Meter tiefe Steilwände, welche die frühere Küstenlinie im Süden Islands darstellen und heute als markante Schwelle den Übergang vom küstennahen Tiefland zum Hochland markieren. Am Sjeljalandsfoss ist der Fuß der Felswand derart ausgehöhlt, dass der Wasserfall gehend umrundet werden kann.


Reykjavík

Angekommen in der Hauptstadt Reykjavík, dem mit 140.000 Einwohnern mit Abstand größten städtischen Zentrum Islands, dominiert urbanes Flair. Reykjavík ist die am nördlichsten gelegene Hauptstadt eines souveränen Staates weltweit, knapp 40% der Isländer leben in der Stadt. Die vielleicht symbolträchtigste Sehenswürdigkeit ist wohl Hallgrímskirkja, die aufgrund ihres auch an die in Island häufig gegenwärtigen Basaltsäulen angelehnten Designs bekannt ist. Mit einer Höhe von 74,5 Metern ist die lutherisch-protestantische Kirche das höchste Gebäude der Stadt. Daneben besticht Reykjavík auch durch seine moderne Architektur. Das Konzerthaus Harpa ist ein solches Beispiel. Mit seiner Glasfassade bildet es einen starken Kontrast zur traditionellen Architektur. In Reykjavík machen wir einen kurzen Zwischenstopp, bevor wir mit Grundarfjörður Westisland ansteuern.


Auf dem Weg nach Westen – Grundarfjörður

Grundarfjörður ist auf der Halbinsel Snæfellsnes – „Schneeberg-Halbinsel“ – gelegen. Im Norden wird diese durch den Fjord Breiðafjörður, im Süden durch die Faxaflói-Bucht begrenzt. An ihrer westlichen Spitze liegt im Zentrum des Snæfellsjökull-Nationalparks der Snæfellsjökull, ein 1446 Meter hoher, gletscherbedeckter Stratovulkan, welcher zuletzt vor circa 4000 und vor etwa 1750 Jahren ausgebrochen ist. Nahe Grundarfjörður liegt auch der etwa 460 Meter hohe Kirkjufell, ein durch Gletscher schroff geschliffener Gipfel, welcher als Nunatak aus dem Gletschereis herausragte. Der Berg gehört zu den am meisten photographierten Landmarken Islands.

Von hier fahren wir über Ólafsvík nach Djúpalónssandur. Während dieser schwarze Strand früher ein Fischerdorf beherbergte, liegt er heute verlassen und von den Trümmern eines 1948 hier zerschellten Fischtrawlers übersät dar. Vom Meer getrennt finden wir hier zwei kleine Frischwasserlagunen, Djúpulón and Svörtulón. Weiter geht es nach Arnarstapi, einem kleinen Fischerdorf. Hier finden wir eine vielfältig durch das Meer erodierte, durch Höhlen und Felsentore charakterisierte Basaltküste vor. In der Nähe Arnarstapis beginnt mit der 570 auch die vielleicht schönste Hochlandstraße Islands. Die 19 Kilometer lange Straße quert die Snæfellsness-Halbinsel zwischen Arnarstapi im Süden und Ólafsvík im Norden und führt nahe am Snæfellsjökull vorbei. Mit Stykkishólmur besuchen wir abschließend die mit 1300 Einwohnern größte Stadt der Halbinsel, welche insbesondere vom Fischfang lebt.

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