Das Vaonis Stellina ist ein Refraktor mit einer Öffnung von 80mm und einer Brennweite von 400mm auf einer azimutalen GoTo-Montierung. Nach dem Einschalten richtet sich das Gerät vollautomatisch aus. Auch die Scharfstellung erfolgt automatisch; das Stellina besitzt kein klassisches Okular. Zielanwahl und Aufnahmesteuerung erfolgen vollständig per App via WiFi, welches das Stellina als Hotspot öffnet. 

Vanonis verbaut im Stellina einen Sony IMX178 CMOS-Sensor mit 6,4MP Auflösung. Dieser produziert gute Bilder, bei vergleichsweise lichtschwachen Objekten ist allerdings ein deutliches Bildrauschen sichtbar. Eine Kühlung des Sensors ist nicht vorgesehen. Der mitgelieferte Akku liefert Strom für einige Beobachtungsstunden, in winterlich-frostigen Bedingungen waren 3-6h problemlos erreichbar, im Sommer noch mehr. Eine größerer Akku kann natürlich genutzt werden, allerdings lässt sich dann die Gehäuseklappe nicht mehr schließen, insbesondere, wenn ein USB-Stick eingesteckt ist.

Kern des Teleskops ist im weitesten Sinne die Software zur Bildverarbeitung: Diese übernimmt neben der Registrierung der Bilder das Stacking, wobei mit fortschreitender Beobachtungszeit weitere Bilder überlagert werden, sodass Details besser erkannt werden. Die nachfolgende Animation zeigt dieses Stacking am Beispiel von M13. Im Verlauf der Aufnahme wurden 51 Einzelaufnahmen, mit einer Belichtungszeit von jeweils 10 Sekunden, gestackt.  

Update 24.02.2021

Nach einigen Beobachtungsabenden lässt sich bisher folgendes zum Stellina sagen: Die Selbstinitialisierung war in fast allen Fällen erfolgreich und dauerte nur wenige Minuten; einmal kam es vor, dass das Gerät mehrere Versuche brauchte und verschiedene Himmelsausschnitte im Rahmen der Initialisierung durchprobierte, vermutlich auf eine dünne und durchwandernde Schleierbewölkung zurückzuführen. Stellinapp, die App zum Gerät, funktionierte in der Zeit problemlos; irritierend sind lediglich vereinzelte Ladezeiten ohne visuelles Feedback (auf einem Huawai P30). Beobachtungen im Winter bei leichten Minusgraden machte Stellina ordentlich mit. Es zeigte sich jedoch, dass das Gerät vergleichsweise lange braucht, um sich an die Umgebungstemperatur zu akklimatisieren. Dies macht wiederholte Refokkussierungen während der Beobachtungen notwendig, da andernfalls die Bildschärfe zum Teil deutlich leidet; die App zeigt diesbezüglich auch Warnmeldungen an. Problematisch ist eine Refokkussierung nur dann, wenn man lediglich das intern erstellte JPEG-Bild als Ergebnis möchte. Dies lässt sich zwar speichern, nach der Refokussierung beginnt jedoch ein neuer Stacking-Prozess. Die Rohbilder (FITS) sind jedoch vollständig auf dem USB-Stick gespeichert, wenn dieser genutzt wird. Praktischerweise erstellt Stellina für jede Beobachtungssession, und jedes beobachtete Objekt einen eigenen Ordner. Weitere Unterordner erstellt das Gerät, wenn eine Neufokussierung durchgeführt wird. Je nach Einstellungen werden dann jeweils die Rohbilder (FITS), die JPEG-Bilder, und ein TIFF-Bild gespeichert. Man sollte vor der Nutzung unbedingt prüfen, ob in den App-Einstellungen die volle Bildauflösung aktiviert ist! Das Fazit ansonsten bisher: Das Gerät hält, was es verspricht.

Update 01.09.2021

Die App, Stellinap, arbeitet in der Regel problemlos. Beim Speichern von Bildern in der App ist es möglich, diese z.B. hinsichtlich Helligkeit und Kontrast zu bearbeiten. Nach ein wenig Probieren erachte ich diese Funktionen als wenig nützlich, da eine deutlich bessere Bearbeitung am PC möglich ist. Nützlicher wäre für mich eine Funktion, dass Bilder automatisch auf dem Handy beim Beenden einer Beobachtung gespeichert werden. Da zudem für die Verwendung der App sowieso ein Nutzerkonto angelegt werden muss, wäre es weiterhin auch wünschenswert, verschiedene Synchronisationsoptionen anzubieten, um einen größeren Nutzen von einem solchen Konto zu haben. Dies betrifft beispielsweise einerweise die verschiedenen Einstellungen (Auflösung, TIFF-Export, usw.), und die In-App-Coverbilder andererseits, da aktuell nur die Liste der beobachteten Objekte zwischen verschiedenen Geräten synchronisiert wird.

Ein wesentlicher Vorteil von Stellina ist am Ende tatsächlich dessen Portabilität; im Urlaub kann es, im Gegensatz zum C8, noch mit ins Auto. Tatsächlich kam es im vergangenen Jahr auch öfter mal vor, dass Stellina auch bei suboptimalen Beobachtungsbedingungen aufgebaut wurde, um mal “zu probieren”, und sei es auf dem Balkon, “für ein paar Minuten”. Das ist mit dem C8 anders, da entweder nicht möglich (Balkon zu klein), oder doch zu viel Aufwand “für mal eben”. Das größte Problem habe ich tatsächlich mit dem Abbau von Stellina. Um es vom Stativ zu entnehmen, muss man das Gerät nach oben ziehen, während man einen auf der Unterseits des Stativs zugänglichen Knopf gedrückt hält, das ist vor allem mit kalten Fingern fummelig.